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Schwanensee für Mango

Anlässlich der traditionellen Regatta 1996 in Bevaix (Neuenburgersee) wurde das Boot SUI-112 von einigen Ereignissen nachhaltig geprägt. Trotz dieser einschneidenden Erlebnisse hat der Verfasser seine Begeisterung für dieses Revier in keiner Weise verloren.

 

Seit etwa drei Jahren versuche ich meiner Vorschoterin klarzumachen, dass man in Bevaix meistens mit wenig Wind zu rechnen hat. Dabei denke ich möglicherweise an die vergangenen Jahre, als wir jeweils im Mai nach Bevaix fuhren und in der zarten Frühlingssonne vor den Weinbergen unsere Leichtwind-Läufe absolvierten. Langsam aber sicher verliere ich nun doch meine Glaubwürdigkeit, denn in den letzten vier Jahren war immer "ausnahmsweise Hack" und meine Vorschoterin droht mir jedes Jahr von neuem, sie sei nun das letzte Mal in Bevaix gewesen.

Zuvor gibt es noch die in Bevaix bekannten Hafen-Hürden zu meistern. Nach dem Einwassern gehts mit erheblichem Padeleinsatz zum Liegeplatz. Ich ziele auf die Dalbe, meine Vorschoterin stürzt nach vorne, ich halte die Pinne und padle was das Zeugs hält (geht eigentlich beides?). Später halten wir uns anderswo fest und verschnaufen; es hatten 10 cm gefehlt.

Das Ablegemanöver im engen Hafen von Bevaix ist dafür geglückt, und so segeln wir zufrieden die ersten Probeschläge bei herrlichen Windverhältnissen (Hack) und beachtenswertem Seegang. Die neue Regattaleitung mit erfolgreichen 505er Seglern macht einen sehr kompetenten Eindruck. Das Dreieck steht bereits und in diesem Jahr lässt sich sogar die Luvtonne von blossem Auge erkennen. Bald ist auch der erste Lauf in erträglicher Zeit überstanden und wir sind sehr zufrieden; dritter Platz hinter GBR-98 (Meadows / Dawson) und SUI-115 (Maeder / Sandmeier), bei Hack, Welle und mit bescheidenen 62 Kilölis im Trapez.

Zum zweiten Lauf legt die Bise noch einen Zacken zu und wieder kreuzen wir unter den ersten Drei. Die Vorwindkurse sind jeweils wie ein Pokerspiel; Spi setzen und Rang halten oder vielleicht alles verlieren? Ich verordne Spi setzen, zum allgemeinen Protest meiner Vorschoterin. Es ist ein heisser Ritt, wir neigen zum Unterschneiden und geigen wie die Weltmeister. Also Barberholer dichtnehmen und Gewicht nach hinten verlagern. Ich überlege mir, wo man sich als Steuermann eigentlich so richtig festhält. Vielleicht sollte man bei diesen Verhältnissen besser in die Kiste sitzen? Wir überlebens jedenfalls und gehen als Zweite auf den letzten Vorwindkurs und damit in rauschender Fahrt Richtung Ziel. 100 Meter vor dem Ziel sind wir immer noch auf Platz zwei mit beruhigendem Abstand zu SUI-105 (Stierli / Graber). Die Geigerei nimmt manchmal bedrohliche Ausmasse an und meine Gedanken kreisen ums Spibergen. Plötzlich ein starker Luvkränger, ich verliere das Gleichgewicht und schon ringe ich nach Luft und schlucke Wasser. Nach dem Auftauchen muss ich erst auf einen Wellenberg warten; Mango ist schon weit weg und liegt krängend unter Spi im Beinaheaufschiesser. Das restliche Feld rast wie eine bedrohliche Armada auf mich zu. Meine Sorge ist, ob sie mich wohl sehen in dem aufgewühlten Wasser und versuche daher mit Armbewegungen auf mich aufmerksam zu machen. Urs und Peter auf SUI-105 rauschen vorbei und fragen ob sie helfen sollen. Bald kommt auch schon das Motorboot der Wettfahrtleitung angeschossen und bringt mich zu Mango. Meine Vorschoterin ist etwas entkräftet vom verzweifelten Versuch, den Spi zu bergen. Tatsächlich gehts zu zweit etwas besser. Wir sind etwas frustiert, einen guten Rang vergeben zu haben und gleichzeitig froh, ohne Schäden davongekommen zu sein.

Am Sonntag hält sich die Bise tapfer und gedenkt überhaupt nicht abzuflauen. Etwas überraschend hat meine Vorschoterin noch nicht abgeheuert. Mit gleichem Trimm und einigermassen motiviert steigen wir erneut ins Kampfgeschehen. Heute starten wir schlecht, und trotzdem können wir uns nacheinander auf Platz 3 und im nächsten Lauf auf Platz 4 vorkämpfen. Es ist beruhigend, mit etwas Geschwindigkeits-Reserven zu segeln und das Feld jeweils auch von hinten aufrollen zu können. Heute bin ich noch nicht aus der Kiste geflogen. Das Erlebnis sitzt tief und ich versuche mich auf dem Vorwindkursen regelrecht zu verkeilen. Weil wir noch nicht ganz auf den Hund gekommen sind, gibts an diesem Tag noch einen dritten Lauf.

Meine Vorschoterin ist hell begeistert und ich frage sie daher, ob wir vielleicht nicht doch lieber heimgehen sollten. Wir wollen durchhalten und verpassen uns noch einmal eine Motivationsspritze. Tatsächlich läufts wieder rund und wir liegen in der zweiten Kreuz auf Rang 3. GBR-98 hat knapp vor uns passiert, aber auf dem nächsten Schlag sind wir vortrittsberechtigt. Wir gehen auf Backbord-Bug und sind gespannt auf die Begegnung mit GBR-98. Strahlend schreien wir "RAUM! RAUM!". Colin nickt und wir warten gebannt darauf, dass er abfällt und knapp hinter uns durchfährt.

Colin hat es aus unerfindlichen Gründen nicht geschafft. Das kann wohl jedem von uns passieren, denke ich. Jedenfalls hat es heftig geknallt, so heftig, dass auch gleich der Mast runtergekommen ist. Völlig logisch, sagte Mader beim Anblick des Schadens! Nun steht Mango in Waging und wird mit ca. 45 Stunden Arbeitsaufwand für die kommende Saison wieder fit gemacht. Natürlich reuen mich auch die zahlreichen Stunden für den Mastumbau. Nichtsdestotrotz: Es war ein super Wochenende; für uns jedenfalls, für die Versicherung vielleicht weniger.

Ich freue mich auf eine neue Segelsaison und speziell auf eine satte Bise in Bevaix.

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