Seit etwa drei Jahren versuche ich meiner Vorschoterin klarzumachen, dass man in Bevaix
meistens mit wenig Wind zu rechnen hat. Dabei denke ich möglicherweise an die vergangenen Jahre, als wir jeweils
im Mai nach Bevaix fuhren und in der zarten Frühlingssonne vor den Weinbergen unsere Leichtwind-Läufe
absolvierten. Langsam aber sicher verliere ich nun doch meine Glaubwürdigkeit, denn in den letzten vier Jahren war
immer "ausnahmsweise Hack" und meine Vorschoterin droht mir jedes Jahr von neuem, sie sei nun das letzte Mal in
Bevaix gewesen. Zuvor gibt es noch die in
Bevaix bekannten Hafen-Hürden zu meistern. Nach dem
Einwassern gehts mit erheblichem Padeleinsatz zum
Liegeplatz. Ich ziele auf die Dalbe, meine Vorschoterin
stürzt nach vorne, ich halte die Pinne und padle was das
Zeugs hält (geht eigentlich beides?). Später halten wir uns
anderswo fest und verschnaufen; es hatten 10 cm gefehlt. |
Das Ablegemanöver im engen Hafen von
Bevaix ist dafür geglückt, und so segeln wir zufrieden die
ersten Probeschläge bei herrlichen Windverhältnissen (Hack)
und beachtenswertem Seegang. Die neue Regattaleitung mit
erfolgreichen 505er Seglern macht einen sehr kompetenten
Eindruck. Das Dreieck steht bereits und in diesem Jahr lässt
sich sogar die Luvtonne von blossem Auge erkennen. Bald ist
auch der erste Lauf in erträglicher Zeit überstanden und wir
sind sehr zufrieden; dritter Platz hinter GBR-98 (Meadows /
Dawson) und SUI-115 (Maeder / Sandmeier), bei Hack, Welle
und mit bescheidenen 62 Kilölis im Trapez.
Zum zweiten Lauf legt die Bise noch einen Zacken zu und
wieder kreuzen wir unter den ersten Drei. Die Vorwindkurse
sind jeweils wie ein Pokerspiel; Spi setzen und Rang halten
oder vielleicht alles verlieren? Ich verordne Spi setzen,
zum allgemeinen Protest meiner Vorschoterin. Es ist ein
heisser Ritt, wir neigen zum Unterschneiden und geigen wie
die Weltmeister. Also Barberholer dichtnehmen und Gewicht
nach hinten verlagern. Ich überlege mir, wo man sich als
Steuermann eigentlich so richtig festhält. Vielleicht sollte
man bei diesen Verhältnissen besser in die Kiste sitzen? Wir
überlebens jedenfalls und gehen als Zweite auf den letzten
Vorwindkurs und damit in rauschender Fahrt Richtung Ziel.
100 Meter vor dem Ziel sind wir immer noch auf Platz zwei
mit beruhigendem Abstand zu SUI-105 (Stierli / Graber). Die
Geigerei nimmt manchmal bedrohliche Ausmasse an und meine
Gedanken kreisen ums Spibergen. Plötzlich ein starker
Luvkränger, ich verliere das Gleichgewicht und schon ringe
ich nach Luft und schlucke Wasser. Nach dem Auftauchen muss
ich erst auf einen Wellenberg warten; Mango ist schon weit
weg und liegt krängend unter Spi im Beinaheaufschiesser. Das
restliche Feld rast wie eine bedrohliche Armada auf mich zu.
Meine Sorge ist, ob sie mich wohl sehen in dem aufgewühlten
Wasser und versuche daher mit Armbewegungen auf mich
aufmerksam zu machen. Urs und Peter auf SUI-105 rauschen
vorbei und fragen ob sie helfen sollen. Bald kommt auch
schon das Motorboot der Wettfahrtleitung angeschossen und
bringt mich zu Mango. Meine Vorschoterin ist etwas
entkräftet vom verzweifelten Versuch, den Spi zu bergen.
Tatsächlich gehts zu zweit etwas besser. Wir sind etwas
frustiert, einen guten Rang vergeben zu haben und
gleichzeitig froh, ohne Schäden davongekommen zu sein. Am Sonntag hält sich die Bise tapfer und gedenkt überhaupt nicht abzuflauen. Etwas
überraschend hat meine Vorschoterin noch nicht abgeheuert. Mit gleichem Trimm und einigermassen motiviert steigen
wir erneut ins Kampfgeschehen. Heute starten wir schlecht, und trotzdem können wir uns nacheinander auf Platz 3
und im nächsten Lauf auf Platz 4 vorkämpfen. Es ist beruhigend, mit etwas Geschwindigkeits-Reserven zu segeln und
das Feld jeweils auch von hinten aufrollen zu können. Heute bin ich noch nicht aus der Kiste geflogen. Das
Erlebnis sitzt tief und ich versuche mich auf dem Vorwindkursen regelrecht zu verkeilen. Weil wir noch nicht ganz
auf den Hund gekommen sind, gibts an diesem Tag noch einen dritten Lauf. Meine Vorschoterin ist hell begeistert und ich frage sie daher, ob wir vielleicht nicht doch
lieber heimgehen sollten. Wir wollen durchhalten und verpassen uns noch einmal eine Motivationsspritze.
Tatsächlich läufts wieder rund und wir liegen in der zweiten Kreuz auf Rang 3. GBR-98 hat knapp vor uns passiert,
aber auf dem nächsten Schlag sind wir vortrittsberechtigt. Wir gehen auf Backbord-Bug und sind gespannt auf die
Begegnung mit GBR-98. Strahlend schreien wir "RAUM! RAUM!". Colin nickt und wir warten gebannt darauf, dass er
abfällt und knapp hinter uns durchfährt.
Colin hat es aus unerfindlichen Gründen nicht geschafft. Das kann wohl jedem von uns passieren, denke ich.
Jedenfalls hat es heftig geknallt, so heftig, dass auch gleich der Mast runtergekommen ist. Völlig logisch, sagte
Mader beim Anblick des Schadens! Nun steht Mango in Waging und wird mit ca. 45 Stunden Arbeitsaufwand für die
kommende Saison wieder fit gemacht. Natürlich reuen mich auch die zahlreichen Stunden für den Mastumbau.
Nichtsdestotrotz: Es war ein super Wochenende; für uns jedenfalls, für die Versicherung vielleicht weniger.
Ich freue mich auf eine neue Segelsaison und speziell auf eine satte Bise in Bevaix.
Mango |