Regatta Bericht 2006 – Weltmeisterschaft

Martinique  (25. Okt. – 4. Nov.)

Schweizer Podestplatz unter karibischer Sonne

+++ WM – Telegramm +++
Mario Suter / Christoph Müri sind Vize-Weltmeister!
Auch nach neun Wettfahrten – bei Windstärken zwischen 5-6Bf – konnten die Schweizer ihren 2. Platz verteidigen. In Abwesenheit der amtierenden Weltmeister Schäfer / Weigelt (GER) gewannen die Franzosen Boite / Viateur den Weltmeistertitel. Das zweite Schweizer Boot mit der gemischten Mannschaft Sajdjari / Elmiger belegt den 22. Schlussrang, während die Damencrew Brändli / Salzmann mit Materialproblemen zu kämpfen hatte und sich daher mit dem letzten Platz begnügen musste.


SUI-1120 André Dolder

Ein karibisches Tempest Märchen – ein Bericht von Gerhard Albrecht (GER-1140)

Vom 26. Oktober bis zum 2. November fand in der Bucht von Fort de France die Tempest WM 2006 statt. Im Vorfeld gab es dazu viele Diskussionen. Die Randbedingungen wie Anreise, Unterkunft, Bootstransport waren mehrmals geändert worden und dies hat natürlich viele Tempest Segler verunsichert. So waren leider nur zwei deutsche Boote (Anmerkung: und kein österreichisches Boot) am Start, aus München die Mannschaft Schmohl / Ostertag und aus Berlin Albrecht mit H.-J. Schäfer.

Mittwoch, 25. Oktober
Anreise mit Air France über Paris mit Wechsel des Flughafens per Bus, etwas langwierig, aber das Ziel scheint greifbar! In Fort de France dann wie erwartet die erste Keule: ca. 17:30 Ortszeit Verlassen des Flughafengebäudes und 32°C bei 80% relativer Luftfeuchte! Ein Kleinbus bringt uns ins Hotel Carayou, dort ist alles vorbereitet, wir werden mit Fruchtdrinks empfangen, unsere Zimmer sind sauber, großzügig und klimatisiert! Das Hotel liegt auf der Spitze einer Halbinsel am südlichen Ende der Bucht von Fort de France. Es gibt also immer etwas Wind und die Ausblicke sind wunderschön. Um 19:00 Treffen der Teilnehmer in einem Lokal “Ponton”, wie der Name schon sagt auf einer Steganlage. Wir werden mit dem Grundnahrungsmittel vertraut gemacht: Rum, egal ob weiß oder braun, pur oder mit Zucker, als Digestiv oder als Longdrink. Es gibt ein Wiedersehen mit den beiden Mannschaften aus Martinique, die am Attersee waren. Die Lokalmatadoren begrüßen uns und die Mannschaften aus Frankreich (9), der Schweiz (3 ), England (3), Holland (1) und Polen (1). Mit den 14 einheimischen Schiffen sind somit 32 Mannschaften am Start. Reichlich Drinks und kreolische Spezialitäten bilden einen gelungenen Rahmen für dieses erste Treffen der Teilnehmer und der gute Anfang ist gemacht.

Donnerstag, 26. Oktober
Nach einem ausgiebigen Frühstück bringt uns die Fähre (5 min. zu Fuß im nahen Yachthafen) über die Bucht nach Fort de France. Nach ca. 20 min. Fahrtzeit gleiten wir vorbei am alten Fort an dem wohl viele Begegnungen der französischen und britischen Streiter stattgefunden haben. Heute eher ein Wahrzeichen, natürlich fest in französischer Hand! Neben dem Fähranleger hat man eine ca. 150 m lange Mole aus Beton erstellt, ca. 50 Bojen warten auf die Teilnehmer. Wir nähern uns den aufgestellten Zelten und die erste große Überraschung wird erkennbar: fein säuberlich aufgereiht stehen sie alle vor uns! Alle unsere Schiffe sind durch den Zoll, aus dem Container geholt und zu diesem Anleger getrailert worden! Keine Formalitäten mit Sprachproblemen, keine nervige Warterei, es kann einfach losgehen! Aus Frankreich ist der Vermesser angereist, der schon in La Rochelle gearbeitet hat. Wie wir erfahren ist er schon vor der WM angereist und hat die einheimischen Schiffe, vor allem die aus nicht bayerischer Herstellung genauestens geprüft. Dabei sind wohl umfangreiche Korrekturen erforderlich geworden und die wurden auch ausgeführt. Die Änderungen gehen bis hin zum Kürzen des Kiels! Die einheimischen Segler müssen sich den Start bei dieser WM sauer erarbeiten, sie tun dies konsequent. Überhaupt ist von Anfang an spürbar, dass hier mit riesigem Engagement Tempest gesegelt wird. Mast, Großbaum, Spibaum und Segel werden kontrolliert, gegen 13:00 gibt es bei einsetzendem Regen eine Mittagspause in der wir Deutsche uns zu einem netten Fischessen zurückziehen. Unser Lokal liegt im ersten Stock und vom Balkon können wir einen tropischen Regen beobachten, der ca. 2 Stunden wie aus Eimern sich ergießt und den Sinn der riesigen Bordsteine erkennen lässt. Am Nachmittag kommt der Autokran und die Schiffe werden eingesetzt und an der Mole festgemacht.

Freitag, 27. Oktober
Der Start des ersten practice race ist für 10:00 Uhr angesetzt. Vorher noch Übersetzen mit der Fähre und Auslaufen und die Bucht überqueren. Also frühes Frühstück und action! Startboot ist ein großer Katamaran, die Linie wird begrenzt durch eine zweite Yacht. Der Wind ist nicht stabil aus einer Richtung, durchziehende Wolken bringen Regenschauer und der Wettfahrtleiter übt Startlinie ändern, Bojen verlegen, starten, rückrufen, …… Der erste Start gelingt ca. 12:00 Uhr. Es wird Dreieck gesegelt, Kurslänge ca. 7 sm bei 2-4 Windstärken. Schon beim ersten practice race wird klar wer hier dominiert, Phillip Boite gewinnt sicher, dahinter Schmohl, Suter und Albrecht. Es ist schon 14:00, es gibt ein zweites Rennen, wieder gewinnt Boite, diesmal vor Albrecht und Suter, Schmohl gibt nach Frühstart auf. Am Abend dann Begrüßung der Teilnehmer. Ein Bus holt uns vom Hotel ab und bringt uns zum “Musée de la Pagerie”, der Geburtsstätte der Marie-Josèphe Rose Tascher de la Pagerie, später von ihrem Ehemann Napoleon zur Kaiserin von Frankreich gekrönt. Das Anwesen mit großem Garten und riesigem offenen Pavillon bildet eine tolle Kulisse für karibische Livemusik mit Rum (natürlich) und einer langen Kette von Ansprachen. Alle Sponsoren und Vertreter der Ministerien (Sport und Touristik) kommen zu Wort und dann kann endlich Mike Adams die WM eröffnen. Es folgt die Preisverteilung des practice race und dann gehen wir zu einem karibisch / französischen Buffet über, das keine Wünsche offen lässt. Der Abend endet sehr feuchtfröhlich in ausgelassener Atmosphäre.

Samstag, 28. Oktober
Start zur ersten Wettfahrt um 10:00. Der Wind hat zugelegt, die Wellen haben weiße Köpfe. Vorherrschende Richtung ist Ost, die erste Marke liegt auf 110°. Bei drei Windstärken, später auch 4 müssen wir wieder lernen mit dem Spi keine Rolle zu drehen und die Marken zu erwischen. Nicht so einfach und Boite zeigt uns professionell wie das geht. Schmohl bleibt dran und wird zweiter, wir haben mehr Schwierigkeiten und sind zuletzt froh noch bis zum achten Platz vorzudringen. Dann der zweite Lauf in ähnlicher Weise, der Wind legt zu. Zweiter wird Mario, dritter wird das “Reha Team”, Alain Lotaut war in Attersee und zeigt hier, dass er mit Wind und Wellen sehr gut umgehen kann. Schmohl wird vierter und wir sind fünfter vor einem weiteren Boot aus der Karibik, Mathieu Moures, ein junger einheimischer Segler zeigt ebenfalls gutes Verständnis für Wellen und Wind. Dann zurücksegeln über die Bucht und festmachen, es gibt Freibier und einen Imbiss, natürlich auch Rum, wenn man den um 16:00 in der Sonne bei 35° schon verträgt.

Sonntag, 29. Oktober
Der Wind wie am Vortag, schon bei 4 Beaufort am Morgen, später 5 und in Böen auch etwas mehr. Die Segelei wird anstrengend, die Spi Manöver werden zum Entscheidungsträger. Wir können vor Boite die erste Marke nehmen, unter Spi geht sein D-Zug dann bei uns vorbei. Wir legen uns zwei mal flach, dank großem Vorsprung kommt keiner mehr vorbei und wir sind zweiter vor Mike Adams, Schmohl und Suter. Am Nachmittag dann ein ähnliches Bild, Mario legt eine super Startkreuz vor und ist nicht mehr zu erreichen. Wir werden dritter vor dem “Reha Team” und Michael. Nach dem Segeln dann Einladung in den Yacht Club Martinique. Bei karibischer Musik und einer riesigen Pfanne Paella wird ausgiebig getanzt und gefeiert. Per Los sind einige zur doping Kontrolle bestimmt worden, schwierig ist für die Betroffenen Flüssigkeit abzugeben, da muß vorher mit Bier kräftig aufgefüllt werden!

Montag, 30. Oktober
Die Bucht zeigt sich schon beim Frühstück weiß. Wir fliegen quer rüber zum Start, es gibt 25 Meilen Wind, in Böen wie immer etwas mehr. Nach sechs gesegelten Regatten hat jeder schon seine Blessuren und vor allem seine Konditionsprobleme, der Kurs ist ca. 8sm lang und wird in max. 90 Minuten abgeritten. Segeln pur! So hat man sich das vorgestellt, blauer Himmel, satt grüne Berge und hellblaue Gischt, nass wie die Katzen aber 28-30° Wassertemperatur, der Planet glüht, wir auch! Suter und Schmohl fahren je 2 und 4. Wir fahren zwei vierte und müssen beide Regatten nur knapp, aber hinter “Reha Team” beenden. Der Zieleinlauf wird von 10-15 einheimischen Booten begleitet, Reha Team wird stürmisch gefeiert. Aber auch wir anderen Boote werden mit großem Hallo empfangen, die Stimmung ist riesig! Nach sechs Wettfahrten ist die Lage kriminell spannend, Boite ohne jede Diskussion mit sechs ersten vorne, dahinter Mario mit 15, “Reha Team” 17, punktgleich mit Schmohl und wir mit 18 Punkten. Dahinter ein weiteres Schiff aus Martinique mit 27 Punkten.

Dienstag, 31. Oktober
Kommt heute eine Entscheidung? Der Wind hat etwas nachgelassen, 3-4 Beaufort werden schon als “entspannend” betrachtet. Michael will zu viel und sein Frühstart wirft ihn zurück. “Reha Team” wird im ersten Lauf zweiter und damit sinken unsere Chancen. Mario macht Bekanntschaft mit der Ankerkette des Startbootes und wird vierter. Im zweiten Lauf können wir nach einer super Startkreuz zum zweiten mal Mr. Boite von vorne sehen, aber der erste Spi Gang klärt die Verhältnisse. “Reha Team” hat kleine Probleme und kommt als sechster ins Ziel. “Stop for tea”, Alain Curtis, ist am ersten Fass dritter und kann dann einen fünften nach Hause fahren was für uns sehr hilfreich werden soll. Nach acht Läufen mit zwei Streichern ist die Lage unverändert offen, den zweiten und den fünften trennen nur 5 Punkte. Am Abend private Einladung von Mr. Paul Constantin (Vorsitzender der Tempest Martinique) in sein Ferienhaus auf der Point de Bout. Bei karibischen Getränken und kreolischen Spezialitäten verbringen wir einen entspannten Abend im Kreis der Tempesties.

Mittwoch, 1. November
Einige haben vor Aufregung schlecht geschlafen, es gibt Angebote für Inselrundfahrten (statt am Start zu sein), die meisten sind auf langärmelige Bekleidung umgestiegen, kaum eine Hand bleibt ungetaped, nur mit Rum im Blut halten wir das aus! Der Wind bei 3 Beaufort und mehr NO als zuvor. Linie und Dreieck wie immer perfekt ausgelegt! Beim Start dann ein 20° Dreher nach N und das Feld kommt durcheinander. Wir können uns nach rechts durchschlagen, Mario ist ganz links und erwischt eine gute Startkreuz. So kommt er als zweiter vor uns ans erste Fass, gemeinsam können wir uns vom Feld lösen. Die Runden werden mit “Aufpassen auf die anderen” abgesegelt, es gibt wieder sehr steile Spi Ritte auf den Wellen und im Ziel muss sich “Reha Team” noch seinem Landsmann geschlagen geben und damit auf den fünften Platz rutschen. Ein letztes mal über die Bucht düsen, Freibier und auskranen, alles wird wieder verpackt. Drei Boote wechseln den Besitzer, die Tempestflotte in Martinique soll auf 30 Schiffe wachsen, in Guadelupe sollen 6 bis 12 Boote hinzu kommen. Man plant schon die nächste WM hier auf diesem Revier!

Donnerstag, 2. November
Die Schiffe stehen verpackt bereit, wir müssen uns um nichts kümmern, Mr. Fabrice Jean ist der “Organisateur par excellance” dieser WM. Er hat alle Fäden in der Hand, er organisiert Zoll, Transport, Sponsoren und er organisiert auch die Abschlussfeier: Im Hotel Sofitel Bakua wird für 300 Gäste ein gigantisches Buffet in 5 Sterne Manier aufgefahren. Launige Reden und politische Prominenz geben den Rahmen, überall Segler in bester Stimmung, die Liveband und eine Tanzperformance runden das Ereignis ab.

Soviel zum segeln, erwähnt werden soll auch die permanente Anwesenheit der beiden lokalen TV Teams, Hubschrauber filmen den Start, es gibt pausenlos Interviews (fragt er mich doch glatt wieso wir denn mit Spi zwei Rollen gedreht haben!) und jeden Abend zwei lange Berichte im Fernsehen.

Unter den Zuschauerbooten ist einer “fast and furious”, ca. 8 m lang und 700 PS! Die anwesenden Damen sind begeistert von Pascal und seinen sprints zur Boje, begleitet von Raggae und Rum!

Ergebnisliste

01 FRA 1147 BOITE Phillipe VIATEUR Regis 7
02 SUI 1136 SUTER Mario MUERI Christoph 18
03 GER 1140 ALBRECHT Gerhard SCHAFER Hansjörg 21
04 GER 1142 SCHMOHL Michael OSTERTAG Ralph 25
05 FRA 1098 LOTAUT Alain JEAN-CHARLES Albert 25
06 FRA 1152 MOURES Mathieu ASSELIN BEAUVIL Harry 37
07 GBR 1070 ADAMS Michael ADAMS Paul 53
08 FRA 1143 MAZURE Gérard KOCH Edouard 60
09 GBR 1123 DAVIS Robert DAVIS Barbara 76
10 GBR 1100 CURTIS Alan STEWARDSON Nick 77
ferner:
22 SUI 1146 Saydjari Samir Elmiger Céline 131
31 SUI 1159 Brändli Verena Salzmann Claire-Lise 191

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