|
Kein Lüftchen regte
sich am Donnerstagnachmittag in Romanshorn, als die
Tempestler nach und nach eintrudelten; der Bodensee war
glatt wie Öl. Laut Prognose zeichnete sich ein
Wiibersömmerli par excellence ab und die Befürchtungen um
genug Wind zum Regattieren schienen mehr als berechtigt. Der
Vermesser und seine Crew nahmen ihre Arbeit auf - sehr genau
übrigens - und hatten alle Hände voll zu tun. Einigen
Tempestlern bleiben nun vorallem noch Hausaufgaben in Sachen
Messbrief. Alles andere wurde vor Ort gerichtet, da sich
eine Trainingsfahrt unter den gegebenen Bedingungen sowieso
erübrigte und genug Zeit blieb, um die Schiffe für den
nächsten Tag in allen Details vorzubereiten. |
|
Wir waren dann doch
ziemlich erstaunt, als am nächsten Morgen schon ganz früh
Wind mit gut 3 Bft aus Ost aufkam, obwohl es neblig und die
Sicht sehr eingeschränkt war. Lokale Kenner der Verhältnisse
klärten uns auf, dass es sich dabei tatsächlich um eine
Thermik handelt, die durch ein Loch irgendwo in der
Nebeldecke und die entsprechende Erwärmung dieser Region
entsteht. Sobald der Nebel sich auflöse, sei auch der Wind
weg. Sie behielten mit ihrer Theorie leider recht: Als um
11.30 Uhr die Internationalen Schweizer Meisterschaften 2006
eröffnet wurden und sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten,
schlief der Wind ein. Bei leichter „normaler“ Thermik aus
Nordwest konnten die 19 Tempest (17 SUI, 1 GER, 1 AUT) am
Nachmittag immerhin einen Lauf unter Dach und Fach bringen.
Der Wind war aber so schwach und das Feld wurde so weit
auseinandergezogen, dass nicht weniger als sechs Schiffe der
Zeitüberschreitung zum Opfer fielen und mit einem DNF als
erste Wertung in die Meisterschaften starten mussten.
Am Samstag bestellte uns die Regattaleitung um 8.00 Uhr
morgens (!) auslaufbereit in den Hafen. Angesichts der
erhofften Nebelthermik war diese Massnahme bestimmt
gerechtfertigt, doch war es ganz einfach zu früh für
nachtaktive Seglerinnen und Segler. Aber auch diese kriegten
die Augen dann bald auf: Es hatte Wind! Bei 1.5 bis 2 Bft
konnten drei Läufe gesegelt werden, womit die
Voraussetzungen für die Wertbarkeit der SM erfüllt waren. So
langsam zeichnete sich auch ein Bild ab, wer in welcher
Ranglistenregion platziert war, wer welche Gegner im Auge
behalten und um wieviele Punkte gekämpft werden musste. Es
wurde fleissig gerechnet und stärkende Suppe gelöffelt. Der
Nachmittag brachte nochmals Bewegung in die Sache: Die
Titelanwärter wurden wegen eines Einzelfrühstarts bestraft
und auch sonst wurden noch da und dort Rangplätze
gewechselt. Anlass zum Austausch aller Seglerstories
inklusive Seemannsgarn und Protestgeschichten bot das
gemeinsame Nachtessen beim Clubgebäude des YCRo.
Selbstverständlich waren wir am Sonntag wiederum früh auf
den Beinen. Doch diesmal liess uns die Nebelthermik im
Stich. Nach einer Startverschiebung ging’s dann doch auf’s
Wasser; allerdings resultierte dabei nur ein abgebrochener
Lauf. Damit es uns allen nicht langweilig wurde, gingen wir
an Land und - als schon niemand mehr damit gerechnet hatte -
am Nachmittag nochmals raus. Idyllisch war’s; nur konstanter
Wind wollte nicht mehr aufkommen. So blieb es bei der
Wertung vom Samstagabend, die an der Rangverkündigung
gewissenhaft und unter viel Applaus verlesen wurde.
Herzliche Gratulation an die neuen Schweizer Meister Mario
Suter/Andreas Hochuli, die diese Meisterschaft souverän für
sich entschieden und die Crews Adi Gerlach/Roman Juchli und
André Dolder/Pia Zihlmann auf die Ehrenplätze verwiesen
haben.
Zum Schluss bleibt noch, dem organisierenden Yachtclub
Romanshorn, der Regattaleitung samt ihren Helferinnen und
Helfern und dem engagierten Hafenmeister des Gemeindehafens
von Romanshorn für ihren Einsatz ganz herzlich zu danken. Es
war schön bei euch – wir freuen uns auf’s nächste Mal!
SUI 1120 - Pia Zihlmann |